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arch.atlas

Architekturstiftung Südtirol

Südtirol Home

Innenarchitektur

Industrie, Handel und Gewerbe

Sport, Freizeit & Erholung

Baujahr

Fertigstellung 2020

Zone

Pustertal

RASEN-ANTHOLZ

Bautyp

Neubau

Klimahaus Standard - Keine Angabe

Architekt/Partner

Arch. RUNGGER LUKAS


Projektmitarbeiter:

Rubner Haus

Südtirol Home: Ein Land in 360° Kann man ein Land auch schmecken, riechen und fühlen? Ja, man kann. Mit feinsten Nuancen schickt noa* die Gäste des Südtirol-Hauses in Antholz auf eine spannende olfaktorische und visuelle Entdeckungsreise durch Südtirol. Südtirol – ein Begriff, der mehr als tausend Dinge in sich trägt. Dieses eine Wort in die Sprache der Architektur zu übersetzen galt es jüngst anlässlich der 51. Biathlon-Weltmeisterschaft in Antholz, wo sich Top-Sportler, Prominenz, Politiker, Veranstalter und Besucher ein „Stell-dich-ein“ geben. Das Südtirol-Home, das größte Gebäude von insgesamt zehn Häusern, die sich um eine Art „Dorfplatz“ aneinanderreihen, wird bei diesem hochkarätigen Sportevent 2020 das Zuhause von Gästen, Gewinnern und Journalisten, die vor allem eines hier können sollen: Südtirol spüren. Die attraktive Hülle des Südtirol-Hauses, ein modern formuliertes Wechselspiel von Offenheit aus Glas und Geschlossenheit aus Holz, war bereits in Planung, als das Amt für Innovation, Development und Marketing IDM Südtirol noa* mit der Gestaltung des Interiors beauftragte. Da das temporäre Gebäude an anderen Standorten ohne großen Verschleiß wieder leicht auf- und abgebaut werden können soll, musste dies natürlich auch bei der Inneneinrichtung berücksichtigt werden. Die Hauptaufgabe für noa* aber war es, die Besucher des Südtirol-Hauses den Ort und das Land, in dem der Sportevent stattfindet, mit allen Sinnen erleben zu lassen. Und das ist hier wörtlich gemeint. DAS „WIR“, DAS ZÄHLT Die Ausgangsidee für den Entwurf geht auf das traditionelle Gesellschaftsspiel Watten zurück, in der die Symbole Laub, Eichel, Schell und Herz die Hauptrolle spielen. Diese Vier stellen die gedanklichen Leitfäden des Konzeptes dar, die sich durch alle Bereiche des Innenraumes ziehen. Das Laub steht für die Natur und Kulturlandschaft, die Eichel symbolisiert die Lebensart und die Qualitätsprodukte, der Schell wiederum weist auf Öffnung und Innovation hin und das Herz schließlich drückt Geselligkeit, Gastfreundschaft, aber auch Tradition und Vereinswesen aus. All diese Elemente entsprechen dem Wesen von Südtirol und wurden durch verschiedenste, sorgfältige Kreationen sichtbar gemacht. Die beiden Ebenen, die mit unterschiedlichen Funktionen bespielt werden, lassen sich grundsätzlich mit einem Begriff vereinen: Das „Mit´nond“ (das Zusammen Sein) heißt hier der Claim, der darauf hinweist, welche große Rolle die Gemeinsamkeit – ob beim Kochen, Essen, Feiern, Kartenspielen oder Sich Austauschen – in Südtirol spielt. An jeder Ecke blitzt dieser Gedanke durch und kreiert Orte, wo ein wenig Stammtisch-Feeling aufkommen kann. Der Tisch per se – natürlich in den unterschiedlichsten Formen – ist allerorts das zentrale Element, wo Herzlichkeit, Lebensfreude und Genuss einander begegnen. EIN ORT, VIELE MÖGLICHKEITEN Im Erdgeschoss dominiert eine großzügige Theke die Szenerie, der leicht aus der Mittelachse herausgedreht ist, um dem Raum eine attraktive Dynamik zu verleihen. Ausgestattet als Bartresen sowie als prächtige Schauküche, kann hier auch groß für die Gäste aufgekocht werden. Die Theke ist teilweise modular und bietet Platz, gemeinsam zu kochen oder dabei zuzuschauen. Begleitet wird die Show-Küche von einer Backstage-Küche, einer Garderobe, die dem großzügigen Vestibül zugewandt ist, und den erforderlichen Serviceeinheiten. Das Besondere an diesem langgestreckten Möbelstück aber ist seine Ausführung: Bedeckt mit Seiser Basalt, einem seltenen Südtiroler Stein, sind die Fronten der Theke aus verschiedenen Holzarten mit Latten unterschiedlicher Größe ausgeführt. Darunter befindet sich das Holz von Apfel, Birne, Fichte, Lärche, Eiche, Nussbaum, Zeder und Zirbe, um die Vielfalt der Südtiroler Naturlandschaft zu repräsentieren. Der dem Dorfplatz zugewandte Bereich kann flexibel und bespielt genutzt werden. Mit der Offenheit, die zusätzlich durch die zweigeschossige Verglasung der Fassade noch großzügiger wird, kann man auf unterschiedlichste Situationen reagieren. Wenn die Bühne und die Stehtische der Lounge-Situation weichen, finden sich hier gemütliche Sitzecken mit Sitzmöbeln um kleine Tische zwischen kleinen Ausstellungsboxen und von der Decke herabhängenden, duftenden Pflanzen und Kräutergärten, die wiederum beim Show-Kochen zum Einsatz kommen. Gemütliche Akzente setzen auch die historischen und nun schwarz lackierten Kronleuchter. Etwas Außergewöhnliches hat sich noa* für die Präsentation heimischer Qualitätsprodukte einfallen lassen: Vier große Regalwände aus Holz, die jeweils mit einer Sitznische zum Verweilen einladen, lassen noch mehr in das Land Südtirol eintauchen. Die Rückseite besteht jeweils aus Paneelen, auf die Almheu aus dem Passeier Tal, leuchtendes Weinlaub, duftende Zirbenspäne aus Seis und eine simulierte Felswand inklusive Klettergriffe made in Südtirol aufgepresst wurde. Der dreidimensionale Effekt verleitet nicht nur zum Berühren, sondern lässt auch die Gerüche des Landes intensiv wahrnehmen und die Gedanken schweifen. DER WÜRFEL IM RAUM Im Obergeschoss, das durch eine mit Metallgeländer eingefasste Galerie beschrieben wird, befindet sich der Bereich für Interviews und journalistische Arbeit für TV und Radio. Auch hier profitiert man vom großartigen Ausblick durch die Glasfassade hindurch, die den Raum noch weiter öffnet und die Natur hereinholt. Der vorgelagerte Balkon ist dabei für repräsentative Ereignisse vorgesehen. Gemütlichkeit hat auch hier mit einladenden Sitzgelegenheiten oberste Priorität, wobei die Gastfreundschaft im uneinsichtigen Teil dieser Ebene ihren absoluten Höhepunkt findet. Die so genannte Stube ist eine geschlossene Box, die im Raum hängt und über der Schauküche im gleichen Drehwinkel wie diese schwebt. Schon von außen ist der Würfel als „Stube“ erkennbar - durch das einzige Fenster Richtung Eingangsbereich kann man den typischen Vorhang mit Südtiroler Dessin, die Stubenlampe und die Täfelung im warmen Lichtschein durchblitzen sehen. Die Trennung vom restlichen Raum ist ganz bewusst: Die Stube als Ort der Gemütlichkeit hat einen besonderen Stellenwert als jener Ort, wo alles aus Holz gemacht ist und man eng zusammensitzt. Um diese Stube möglichst authentisch zu gestalten, wurden in den Würfel eine restaurierte, alte Stube eines Bauernhofs eingesetzt: Unter dem Fenster verläuft eine lange Sitzbank, die sich an beiden Seiten bis jeweils zur Raummitte um die Ecke weiterzieht und mit mehreren Tischen kombiniert wird, um auch eine lange Tafel inszenieren zu können. Eine originale Truhe aus Handarbeit, eine ebenfalls echte bemalte Kredenz, die obligatorische Stubenlampen und der Herrgottswinkel werden von einem alten traditionellen Dielenboden und kassettierten Vertäfelungen an Wand und Decke begleitet. Auch außen kommt Südtiroler Tradition zum Zug: Die Wandkonstruktion des Kubus aus Fichtenholz ist außen komplett mit typischem, grünem Lodenstoff eingekleidet. Darauf wurden punktuell dreieckige Holzpaneele mit rausgefrästen, vom Klöppeln inspirierten Mustern und eingebauten Lichtquellen montiert, die mit den Projektionen auf Wand und Boden ein tolles Lichtspiel entstehen lassen. GEFÜHL ENTSTEHEN LASSEN Der Raum beherbergt die perfekte Balance zwischen optimaler Nutzung und gastfreundlicher Gemütlichkeit. Kein Detail wurde hier dem Zufall überlassen. Das aus vielen Ideen zusammengestellte Gesamtbild wirkt homogen und dennoch vielschichtig. Sämtliche Elemente – vom einzelnen Möbel über die Oberflächen bis hin zum Accessoire – wurden in Südtirol produziert, geerntet und geplant. Aber nicht nur das: Auch der Historie wird genügend Platz eingeräumt, unter anderem in Form jener Stühle rund um die großen Tische, von denen jeder einzelne von einem anderen Bauernhof stammt und seine eigene Geschichte erzählt. Die Geschichte des Südtirol-Hauses selbst ist jene von einem Land, das auf Brauchtum, Kulturerbe, Landschaft und die daraus entstehende Vielfalt zu Recht stolz ist und all das mit diesem Projekt in die ganze Welt hinaustragen wird.

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