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arch.atlas

Architekturstiftung Südtirol

Seniorenhaus

Wohnbau

Gesundheit & Soziales

Öffentliche Bauten

Baujahr

Fertigstellung 2019

Zone

Vinschgau

SCHLANDERS

Bautyp

Neubau

Klimahaus Standard A

Öffentlich

Bauherr Gemeinde Schlanders

Architekt/Partner

Arch. WIELANDER LUKAS

Am südlichen Dorfeingang von Schlanders, direkt an der Hauptstraße, plante der Architekt Lukas Wielander eine Seniorenresidenz für begleitetes und betreutes Wohnen. Das in Südtirol relativ neue Wohnmodell richtet sich an noch selbständige Senioren über 65, welche nur zeitweilig eine Begleitung oder Betreuung durch eine Bezugsperson benötigen. Die Lage des Neubaues am Rande des Dorfzentrums mit Nahversorgung, Altersheim, Krankenhaus und Apotheke in unmittelbarer Nähe, erwies sich als idealer Standort, um bestehende Synergien zu nutzen. Für den Architekten sollte sich das neue Seniorenhaus sowohl inhaltlich als auch baulich von den klassischen Pflegeheimen unterscheiden. Den älteren Menschen sollte eine überschaubare und vertraute Umgebung geboten werden, die ihrem Erfahrungshorizont Rechnung trägt und in der sie in einem sozialen Umfeld mit anderen Mitbewohnern in Würde leben und altern können. Eine Bezugsperson schaut täglich bei den Bewohner vorbei, begleitet, informiert und unterstützt die Senioren im Alltag. Da die zur Verfügung stehende bebaubare Fläche mit 195 m2 sehr knapp bemessen war, entschied man sich, in die Höhe zu bauen, um das vorgegebene Raumprogramm unterbringen zu können. So entstand südseitig an der Hauptstrasse ein kompakter 5 geschossiger Neubau, welcher im tiefergelegten Hofraum auf der Nordseite 6 Geschosse erreicht. Um den relativ hohen Baukörper dennoch gut in den bauliche Umfeld einzubinden, erhielt das Gebäude ein Satteldach, welches zum Nachbarhaus im Westen stark abgeschrägt wurde, um diesem weiterhin ausreichend Licht und Aussicht zu garantieren. Die asymmetrischen Abschrägung des Daches verleiht dem Gebäude sein markantes Erscheinungsbild entlang der Hauptstrasse. Unterzubringen waren 12 kleine Wohneinheiten mit einer Fläche zwischen 34 und 47 qm, sowie eine Reihe von gemeinschaftlich genutzten Räumen. Im Erdgeschoss befinden sich neben dem Haupteingang alle öffentlichen genutzten Räume, wie ein großzügiger Gemeinschaftsraum, eine kleine Küche, die WC-Anlagen, sowie ein Arbeitsraum für die Begleitperson der Senioren. Der Gemeinschaftsraum dient sozusagen als „Gemeinsame Stube“ für das gesellige Zusammensein der Bewohner und deren Besucher. Der hintere Bereich des Saales wird von einem gemauerten Ofen mit beheizter Sitzbank definiert, zur Hauptstrasse hin wurden die Tische platziert. Nach Südosten öffnet sich dieser flexibel nutzbare Raum zu einer Terrasse mit Pergola im Freien. Daran anschliessend befindet sich ein kleiner Garten mit Kirschbaum. Die Wohneinheiten in den 4 Obergeschossen bestehen im wesentlichen aus zwei unterschiedlichen Typologien. Die kleineren Einheiten für Einzelbewohner betehen aus einem Wohnraum mit integrierter Miniküche und einem etwas abgeschirmtem Schlafbereich. Die grösseren Einheiten unterscheiden sich durch ein separates Schlafzimmer und sind somit auch für Paare geeignet. Alle Wohneinheiten wurden "behindertengerecht" umgesetzt, wobei eine Einheit im EG speziell auf die Bedürfnisse eines Rollstuhlbenutzers abgestimmt wurde. Ein wichtiger Aspekt bei der Umsetzung des Projektes war die gesamte Materialisierung des Gebäudes. Ausgehend von einer Analyse von historischen Bauten im Dorf, sollte eine möglichst ruhiger und in sich stimmiger Bau mit wenigen Materialien entstehen. Es wurden vorwiegend einfache und natürliche Materialien wie Mauerwerk mit Kalkputz, Beton, Holz und verzinkter Stahl verwendet. Wo möglich wurden diese in ihrem Rohzustand belassen oder mit einfachen Mitteln veredelt. Verschiedene Detail- und Materialienlösungen wurden bewusst von historischen Bauten inspiriert und in eine zeitgemässe Formsprache gebracht. So wurde der kompakte Baukörper mit im Vinschgau ortstypischen Lochfassaden mit tiefen Laibungen ausgebildet. Die Aussenwände aus tragendem Mauerwerk mit Betonskelett wurden mit Mineraldämmplatten verkleidet und mit natürlichem Waschputz aus Kalk verputzt. Vordach, Fensterrahmen-und bänke, Rücksprünge im Bauvolumen wurden mit Lärchenholz ausgeführt oder verkleidet. Für die Verdunkelung der Fenster wurde altbewährte Holzrollos aus Kiefernholz eingesetzt, wobei der Rollmechanismus in Sicht belassen wurde. Da das Steildach im Westen von der Hauptstrasse gut einsehbar ist, erfolgte die Dacheindeckung mit handgefertigten Dachplatten aus grauem Zement, welche eigentlich eher bei denkmalgeschützten Gebäude zum Einsatz kommen. Auch im Innenbereich wurde in Bezug auf die spezielle Nutzung versucht, eine stimmige Atmosphäre für Menschen im Alter zu finden. Alle Wohnungen und der gemeinsame Wohnraum im EG wurden mit Kalkputz versehen und erhielten in Anklang an alte Stuben moderne Wandvertäfelungen mit Schälfurnier aus Birkenholz. Diese Materialwahl setzt sich auch bei den Türen und bei den fix eingebauten Möbeln wie Einbauküchen, Garderoben und Kleiderschränken fort. Die restlichen Möbel wie Betten, Tische Stühle werden von den Bewohnern selbst mitgebracht und ergänzt, was die Identifikation der Bewohner mit dem neuen Zuhause fördern soll. Die Wohnungen und die gemeinsame Stube im EG haben geölte Lärchenböden. Sämtliche Fussböden im Treppenhaus und den Gängen wurden mit Kunstharzböden in ziegelroter Farbe ausgeführt und laufen wie ein roter Teppich durchs Haus. Die Parapete der Treppe wurden mit Mehrschichtplatten in Lärche realisiert, die Eckverbindungen und Schnittflächen sind farblich in Ochsenrot akzentuiert. Die beidseitigen Handläufe aus Holz wurden unterschiedlich ausgebildet, flach an der Aussenwand und rund am Parapet der Treppe. Im Treppenhaus und in den Gängen wurden als Kontrast die Decken und Wände grossteils in Sichtbeton belassen, bzw. mit einem speziellen Silikatanstrich in Silber veredelt. Zur besseren Identifikation und Orientierung der zukünftigen Nutzer mit ihrem neuen Zuhause wurde für jede der 12 Wohneinheiten eine eigene Farbe ausgewählt, welche an den Wohnungseingängen und im Innenbereich dezent an den Möbeln und an den Lampen verwendet wurde.

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