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arch.atlas

Architekturstiftung Südtirol

Ansitz Lächler (Plunerschneiderhaus)

Kulturbauten

Historische Bauten

Öffentliche Bauten

Baujahr

Fertigstellung 2018

Zone

Bozen Land

KASTELRUTH

Bautyp

Umbau

Denkmalgeschützt

Klimahaus Standard - Keine Angabe

Öffentlich

Bauherr Gemeinde Kastelruth

Architekt/Partner

Studio SENONER TAMMERLE ARCHITEKTEN

Arch. TAMMERLE LUKAS

Arch Paul Senoner

Kastelruth zeichnet sich durch einen städtischen sehr schönen Dorfplatz aus. Fünf von eng aneinander stehenden Häusern gesäumte Gassen verlaufen sternenförmig zum Dorfplatz. Der Platz wird bestimmt von dem alles überragenden frei stehenden Kirchturm der, so wie die gesamte Erscheinung des Dorfplatzes, stark vom Dorfbrand im Jahre 1753 geprägt ist. Eines dieser Gebäude am Platz ist der zinnengekrönte Ansitz Lächler, der mit dem Hotel Lamm und dem Rathaus westlich den Dorfplatz abschließt. Angebaut am Rathaus steht er an der Platzmündung zwischen Vogelweidergasse und Torbogen zur Plattenstraße. Der Ursprung des Ansitz Lächler, auch Plunderschneiderhaus genannt, stammt aus dem 13. Jahrhundert. In den folgenden Epochen wurde der Ansitz in vier größeren baulichen Stufen erweitert, erhöht und umgebaut bis er Anfang des 20. Jahrhunderts die heutigen Ausmaße und Gestalt erlangt hatte. 1937 wurde das Gebäude von der Raiffeisenkasse Kastelruth erworben und bis 2011 als Bankgebäude genutzt. In der knapp 80 jährigen Nutzung wurden zahlreiche Umbauten am gesamten Gebäude vorgenommen bei denen das historische Haus teilweise stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der verletzendste Eingriff wurde im Jahr 1958 mit der Verlegung der zweiläufigen Außentreppe ins Gebäudeinnere vorgenommen. Das „verstellte Gesicht“ der Platzansicht blieb für 60 Jahre so, bis ins Jahr 2018. Auch das Platzniveau wurde zwischenzeitlich in den 60er Jahren im Bereich des Eingangs zum Ansitz Lächler um ca. 50cm abgesenkt um den Bussen die Durchfahrt beim Bogen durch das Rathaus zu ermöglichen. Dies bedeutet zwar einen höheren Niveauunterschied zwischen dem Dorfplatz und dem Hochparterre, ermöglicht aber andererseits einen niederen, ebenerdigen Zugang in das Haus. Diese barrierefreie Zugangs- und Fluchtwegmöglichkeit waren Voraussetzungen für die neue Gebäudenutzung und folglich spielte eine sinnvolle und durchdachte Gebäudeerschließung die Hauptrolle beim letzten Umbau. Es galt nämlich vier unterschiedliche Nutzungen auf vier Etagen tageszeitlich und barrierefrei flexibel und unabhängig zugänglich zu machen. Großformatige, vergitterte Schiebetüren lenken das innere Wegenetz durch das offene Treppenhaus und ermöglichen dadurch eine zeitliche und räumliche unabhängige Nutzung, auch nur einzelner oder mehrerer Bereiche oder Etagen des öffentlichen Gebäudes. Das Haus beherbergt im Hochparterre den Tourismusverein mit Informationsstelle, im Tiefparterre Räume für Ausstellungen und eine Vereinsküche, im Obergeschoss ein Trachtenmuseum mit Schneidereiwerkstatt und unterm Dach wurde ein Saal für Vieles realisiert. Um eine adäquate Raumhöhe des Saales zu erreichen wurde der First auf zwei Drittel der Länge erhöht. Das Gebäude erfuhr im Dachgeschoss somit die größte bauliche Veränderung. Durch die gleichbleibende, durchgehende Traufe und die gestaffelten Dachflächen ist die Erhöhung sowohl von der Gasse als auch vom Dorfplatz aus nicht sichtbar. Westseitig wurde die Giebelmauer zu Gunsten des Saales vollkommen durch eine Glasfassade ersetzt und ein Fächer aus weiß gestrichenen Holzlamellen vorgebaut. Dieser Fächer vervollständigt in abstrakter Weise wieder die Silhouette des bis unters Dach gemauerten Hauses im Dorf. Die spärlich erhaltenen historischen Gebäudeelemente wurden von jüngeren technischen Einbauten befreit und im Sinne der Denkmalpflege restauriert. Wo sinnvoll wurden die Räume in ihre ursprüngliche Form zurückgebaut, Öffnungen wieder geschlossen und tragendes Mauerwerk wieder hergestellt. Die neuen Decken wurden in Brettstapelbauweise und die neuen Wände aus brettergeschaltem Sichtbeton errichtet. Die Auseinandersetzung und die Arbeiten am Ansitz Lächler können vielleicht am besten als Balance zwischen Restaurierung, Rekonstruktion und Weiterentwicklung beschrieben werden.

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