Im Herzen der Altstadt von Bozen, zwischen dem Obstplatz und der Laubenstraße, befindet sich die historische Filiale der Raiffeisenkasse Bozen in einem vierstöckigen Eckgebäude — einem denkmalgeschützten Bauwerk, das in einem historischen Kontext mit einer zeitgemäßen und identitätsstiftenden Architektursprache neu interpretiert wurde. Der Eingriff stärkt den Dialog zwischen dem Gebäude und dem urbanen Gefüge und bewahrt dabei den ursprünglichen Charakter des Bestands. Im Erdgeschoss führt der Haupteingang an der Laubenstraße zu einem Empfangsbereich, in dem sich der Schalterbereich und der SB-Bereich um zwei leicht erhöhte Front-Office-Arbeitsplätze anordnen, die in direktem Dialog mit dem dahinterliegenden Back-Office stehen. Vom ersten bis zum dritten Obergeschoss entfaltet sich die Erschließung entlang von Korridoren, flankiert von Einzel- und Führungsbüros, Besprechungsräumen und Bereichen für das Private Banking, denen jeweils Wartezonen vorangestellt sind, die den Zugang diskret filtern. Die Nebenräume sind seitlich angeordnet, während jedes Geschoss mit einem Büro abschließt, das eine klare und übersichtliche Raumaufteilung definiert. Im dritten Obergeschoss befindet sich der Bereich für Ethical Banking — ein Begegnungsraum, der Mitarbeitenden als Treffpunkt dient und auf ökologische und soziale Initiativen ausgerichtetes Programm unterstützt. Auf derselben Ebene befindet sich auch eine maßgefertigte Küchenzeile aus Holz, die allen Nutzern zugänglich ist. Transparenz ist das bestimmende räumliche Thema: große Verglasungen öffnen den Blick vom Korridor in die Büros und Besprechungsräume, die akustisch gedämmt und mit Folien zur Opazitätskontrolle ausgestattet sind, welche die Privatsphäre durch einen stufenlosen Wechsel von transparent zu matt regulieren. Sanitäranlagen sind auf jeder Etage vorhanden, einschließlich barrierefreier Einrichtungen im obersten Geschoss, die Inklusion und Nutzungskomfort gewährleisten. Das vierte und oberste Geschoss öffnet sich zu einem flexiblen und lichtdurchfluteten Open-Space, der Kollaboration und Austausch fördern soll. Die Materialität spielt eine zentrale Rolle bei der Gestaltung von Atmosphäre und Identität. Die holzverkleideten Wände vermitteln Wärme und Geborgenheit, während die petrolblauen Stoffe der Einrichtung eine tiefe und differenzierte Note einbringen, die dem Interieur Identität und Kontinuität verleiht. Die Beleuchtung wird zum narrativen Element: Eine leuchtende LED-„Schlange“ mit fließender, gewundener Geometrie verstärkt die dynamische Raumwahrnehmung und begleitet die Besuchenden entlang des Weges. Das Kunstlicht tritt in Dialog mit dem Tageslicht, das durch die historischen Öffnungen einfällt, strukturiert den Rhythmus und definiert räumliche Hierarchien. Von der Decke aus schafft ein Okulus in der Deckenplatte — geschlossen durch eine von Stahlträgern gestützte Glasscheibe — eine unerwartete vertikale Verbindung: Das Zenitlicht fällt von oben ein, intensiviert die dreidimensionale Raumwahrnehmung und verwandelt die Erschließungssequenz in ein Lichterlebnis, das die Linearität durchbricht und eine visuelle Zäsur einführt. Das Thema der geometrischen Formen spiegelt sich in den Steintheken wider, die mit eleganten und skulpturalen Geometrien entworfen wurden; dieselben formalen Muster finden sich in den Sitzmöbeln der Wartebereiche wieder und schaffen so eine kohärente architektonische Grammatik zwischen Mobiliar und Raum. In technischer Hinsicht umfasste das Projekt eine bemerkenswerte Erneuerung der Gebäudetechnik — mit einer neuen kompakten Wärmepumpe sowie der Erneuerung der Elektro- und Heizungsanlagen — die sich harmonisch in den Bestand einfügen. Das in Zusammenarbeit mit Plattner Bau realisierte Projekt gibt der Stadt einen zeitgemäßen und einladenden Raum zurück, in dem Licht, Materialität und technische Präzision ein Gleichgewicht zwischen Erinnerung und Innovation konstruieren und die urbane Identität des Obstplatzes stärken — tief verwurzelt im lokalen Kontext und Territorium. Das in Zusammenarbeit mit Plattner Bau realisierte Projekt gibt der Stadt einen zeitgemäßen und einladenden Raum zurück, in dem Licht, Material und technische Präzision ein Gleichgewicht zwischen Erinnerung und Innovation schaffen und die urbane Identität der Obstplatz, die tief in der Region verwurzelt ist, stärken.
Publiziert: 1. Preis geladener Wettbewerb
