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arch.atlas

Architekturstiftung Südtirol

Neubau Pflegeheim St. Josef, Völlan

Gesundheit & Soziales

Innenarchitektur

Baujahr

Fertigstellung 2010

Zone

Burggrafenamt

LANA

Bautyp

Neubau

Klimahaus Standard B

Privat

Bauherr Deutschordensschwestern Lana

Architekt/Partner

Arch Arnold Gapp

Arch Stephan Marx

Arch Martin Thoma

Stille Gemütlichkeit und extrovertierte Transparenz sind hier keine Gegensätze, sondern Ausdruck einer bemerkenswerten Normalität. Die herrliche Bergluft und die liebevollen Ordensschwestern tragen ihren Teil bei, einen ganz wesentlichen Beitrag leistet aber auch die sensibel ins soziale Umfeld eingepasste Architektur. Die Ordensschwestern initiierten einen Planungswettbewerb zur Modernisierung des Gebäudebestands und Realisierung eines ergänzenden Neubaus. Ziel der Planungen war ein dezidiert modernes Haus mit großzügigen Räumen und wohnlichem Ambiente. Das neue Pflegeheim liegt exponiert auf einem Bergrücken unweit von Dorfkirche und Dorfmitte. Zur Talseite erscheint es als 85m lange Großform mit drei Ober- und zwei Untergeschossen sowie einer relativ einheitlichen Fassadengestaltung. Unmaßstäblich ist es nicht, weil es aufgrund seiner Hanglage von kaum einem Standort aus in vollständiger Länge zu sehen ist. Das Gebäudeensemble aus Altbau, Neubau und nördlich angegliederter Hauskapelle präsentiert sich von der Eingangsseite als plastisch und feingliedrig. Hier gruppieren sich der freistehende, behutsam sanierte Alt- und der zweiflügelige Neubau um einen zur Dorfmitte offenen Innenhof, wobei die Abwechslung zwischen verputzten bzw. großflächig verglasten Holzfassaden für ein selbstverständliches Miteinander der Baukörper sorgt. Diese Idee spiegelt auch die transparente Eingangsfassade wider. Einerseits ist sie architektonischer Ausdruck der Erneuerung, gewährt aber vielfältige Einblicke auf die wichtigsten, quasi öffentlichen Hausbereiche – Küche, Mehrzwecksaal und Verwaltung im EG sowie Gemeinschaftsbereich in den OGs. Dieser Überblick ist von besonderer Bedeutung, weil er den Bewohnern die Möglichkeit bietet, sich trotz Mobilitätseinschränkungen als Teil der Aktivitäten ihrer Lebensumwelt zu betrachten. Der überschaubare Eingangsbereich wirkt wie das großzügige Foyer eines Wohnhauses. Und tatsächlich bietet das Hauskonzept in den beiden OGs jeweils einen Pflegewohnbereich mit 28 Bewohnern. Für eine wohnliche Atmosphäre in den Fluren wie auch in den Zimmern sorgen Parkettfußböden in Kirsche, Wandverkleidungen in Lärche, gekalkte Wände, aber auch Holzfenster, über deren Brüstungen die Bewohner auch vom Bett aus noch gut ins Freie sehen können. Bündig gesetzte Holzoberflächen, ein großes Oberlicht zum Bad sowie gestalterisch angenehm reduzierte Möblierungen, Einbauleuchten und sogar Steckdosen bestimmen das Bild. Die Gemeinschaftsräume fungieren an der Eingangsfassade als offene Kommunikationsflächen, die durch ein vielfältiges räumliches und organisatorisches Angebot (essen, spielen, musizieren, malen, basteln) eine hohe Erlebnisdichte bieten und damit der Vereinsamung als einem der größten Probleme in Pflegeheimen entgegenwirken. Im EG des nördlichen Gebäudeflügels befindet sich ein dritter Pflegewohnbereich für 18 Demenzkranke. Dieser ist wesentlich kompakter und introvertierter angelegt, um den Menschen mit massiven Orientierungs- und Gedächtnisproblemen die Orientierung zu erleichtern und störende Außenreize zu minimieren. Der große Aufenthaltsbereich am nördlichen Gebäudeende verfügt neben einem Koch- und Essbereich mit Küchenzeile auch über eine Original-Bauernstube aus dem 19. Jahrhundert, die durch typische Gerüche, Oberflächen und Materialien angenehme Erinnerungen bereiten soll. Das vielleicht wichtigste Stück Normalität und vertrautes Gesellschaftsleben ermöglicht die zweigeschossige, von den Fluren des 1. und 2. OGs barrierefrei zugängliche Hauskapelle. Konzipiert als eigenständiger Baukörper, der sich von den Pflegewohnbereichen und von außen durch groß strukturierte Putzoberflächen abhebt, gibt sich das Innere der Kapelle angenehm kühl und hermetisch. Durch einheitlich sandfarbene Oberflächen, ob verputzte Wände, Natursteinboden und eine indirekte Lichtführung v.a. aber durch abstrakte Ausstattung entstand ein Innenraum von bemerkenswert kraftvoller Klarheit und Spiritualität. Ergänzt wird dieser Sakralraum durch eine seitliche „Totenkapelle“ die das Sterben als selbstverständlichen Teil des Lebens vor Augen führt. Mit ihrer archaischen Schmucklosigkeit, einem großen hochliegenden Fenster und gleichmäßigem Nordlicht korrespondiert sie wunderbar mit der Hauskapelle und schafft die Möglichkeit, verstorbene Bewohner würdevoll aufzubahren und in aller Ruhe und Ungestörtheit zu verabschieden.

Publiziert: 2008

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